Raum

Europa entgrenzt.

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Dienstag, 22. Januar 2008

Delaney, David (2005); "Territory. A Short Introduction"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Der Autor des vorliegenden Textes versucht sich an einer überblicksähnlichen Darstellung verschiedener sozialwissenschaftlicher Herangehensweisen an Territorium. Sein Ausgangspunkt ist das – seiner Meinung nach – alltäglicheVerständnis des im Zentrum stehenden Begriffs: „Territory, according to common understandings, promotes peace through certainty by clearly defining and delineating the workings of power.“[1] Diese stabilisierende Funktion wird Territorium durch dessen Abgrenzung und Definition von Souveränität gegenüber anderen verliehen. Frei nach dem Motto: „Good fences make good neighbors.“[2] Dementsprechend ist diese Komponente natürlich auch zentrales Charakteristikum, und nach wie vor fundamentales Prinzip internationalen Rechts.

 

Delaney listet die sehr offensichtlichen Funktionen von und Zuschreibungen zu eingegrenzten Territorien auf; so zum Beispiel Territorium als Ausschlussprinzip, die Legitimierung kriegerischer Auseinandersetzungen, die Organisation sozialer Verhältnisse, die gesellschaftliche Zusammenfassung menschlicher Individuen, etc..



[1] Delaney, David; S. 1

[2] Delaney, David; S. 1

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Montag, 17. Dezember 2007

Sassen, Saskia (2006); "Territory. Authority. Rights. From Medieval to Global Assemblages"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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In einleitenden Überlegungen zu vorliegendem Werk kritisiert Sassen zwar die ungebrochene Dominanz des Nationalstaates in den Überlegungen sozialwissenschaftlicher Theoretiker, räumt aber im selben Atemzug ein, dass – im Gegensatz zum modernen demokratischen Nationalstaat – globale Institutionen einfach nach wie vor unterentwickelt sind. Dementsprechend relevant ist dieser Akteur auch in folgenden Gedankengängen zu Territorium, Herrschaft und Recht.

Alle diese Konzepte sind – wie zum Beispiel auch Ökonomie und Sicherheit – und werden auf der Ebene des Nationalen konstruiert; und so spielt diese Ebene selbst im Kontext der so genannten und viel zitierten denationalisierenden Prozessen eine wesentliche Rolle. „A good part of globalization consists of an enormous variety of micro-processes that begin to denationalize what had been constructed as national [...]. Sometimes these processes of denationalization allow, enable, or push the construction of new types of global scalings of dynamics and institutions; other times they continue to inhabit the realm of what is still largely national.”[1]



[1] Sassen, Saskia; S. 1

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Montag, 10. Dezember 2007

Dear, Michael/ Wolch, Jennifer (Hrsg.) (1989); "The Power of Geography. How Territory Shapes Social Life"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Im vorliegenden Sammelband, welcher sich selbst im Grenzland zwischen Soziologie und Humangeographie ansiedelt, geht es den Herausgebern und Autoren darum, Gesellschaftstheorie zu rekonstruieren, um die Vielfältigkeit gesellschaftlich-räumlicher Prozesse erfassen zu können; und das im Lichte der Erhellung, die das Richten des Fokus auf die Mechanismen der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft mit sich bringen soll: „society as a ‚time-space fabric’ upon which are engraved the processes of political, economic, and socio-cultural life.“[1]

 

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Samstag, 11. August 2007

Harvey, David (1984); "On the History and Present Condition of Geography: An Historical Materialist Manifesto"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Es liegt hier also ein Text vor uns, dessen Veröffentlichung schon mehr als 20 Jahre in der Vergangenheit liegt. Als Solche in einer realpolitisch und sogar ideengeschichtlich schon relativ weit zurückliegenden Phase der Feder des bekannten Sozial-Geographen David Harvey entsprungen, sind diese Gedanken vor allem aber im Kontext von dessen persönlicher wissenschaftlicher Entwicklung heute mit Vorsicht und einigem Abstand zu genießen.

Im Prinzip geht es ihm um – wie die Überschrift unschwer vermuten lässt – den gegenwärtigen Stand „seiner“ Disziplin, der Geographie. Es lässt sich von Anfang an eine Art Plädoyer für eine Einbeziehung der historischen sozio-ökonomischen Bedingungen von gesellschaftlicher Entwicklung in die geographische Herangehensweise erahnen. Dieser Annahme wiederum würde der Anspruch eines materialistischen Manifests im Titel entsprechen.

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Mittwoch, 8. August 2007

Lotman, Jurij (1970); "Künstlerischer Raum, Sujet und Figur"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Lotman versucht in seinem Text dem Raum der Literatur und Kunst nachzugehen. Lotmans Abhandlung ist insofern von Relevanz als er den „symbolischen Raum der Literatur nicht mehr ausgehend vom originären Zentrum eines reflexiven Erfahrungssubjektes“[1] fasst, sondern an die Stelle bewusstseinsphilosophischer und medienanthropologischer Metareflexion tritt bei Lotman der Raum als Erzeugnis kulturell bestimmter Zeichenverwendungen. Dadurch hebt sich Lotman klar von den subjektsbezogenen Ansätzen eines Schmarsows oder Herrmanns ab.


[1] Lüdeke, Roger (2006): Ästhetische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 457

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Montag, 6. August 2007

Herrmann, Max (1931); "Das theatralische Raumerlebnis"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Die Projektrelevanz des vorliegenden Textes von Max Herrmann ist zugegeben gering, dennoch wird er in seinen Grundzügen rezitiert. Gerade weil Herrmann Überlegungen zum „theatralischen Raumerlebnis“ als zentrales Gründungsdokument einer Theaterwissenschaft verstanden werden kann, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber der Literaturwissenschaft programmatisch für unabhängig erklärte. Herrmann distanziert sich von der klassischen Vorstellung, dass der theatralische Raum mit dem Bühnenraum und der dramatische Raum des theatralischen Textes als Aufführungsgrundlage identisch ist. Dadurch gelingt Herrmann die Abgrenzung zur klassischen positivistisch-quellengeschichtlich geprägten Theatergeschichte dessen vorrangiges Interesse den geschichtlich variablen Formen des Bühnen- und Besucherraums gilt.
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Donnerstag, 26. Juli 2007

Cassirer, Ernst (1931); "Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Cassirer versteht Raum und Zeit als die beiden zentralen Komponenten „des architektonischen Baues der Erkenntnis“[1] überhaupt. Erkenntnis kann erst dann gewonnen werden, wenn die Wahrnehmung der gegenwärtig in der Welt befindlichen Dinge um die Miteinbeziehung der geschichtlichen Relevanz von Raum und Zeit für das Wie eben dieser Objekte/Welt ergänzt wird. Je tiefer die Erkenntnis in die Strukturen von Raum und Zeit eindringt, desto eher erfasst sie ihre eigenen Voraussetzungen und Prinzipien; dabei sind Raum und Zeit gegenständliches Korrelat und Gegenhalt zu der Erkenntnis.

 

Um diese Einsicht zu bestätigen und zu erweitern, schlägt Cassirer vor, verschiedene Grundformen geistiger Gestaltung unter die Lupe zu nehmen – eben im Bewusstsein dessen, dass vorderhand die Grundfrage nach Form von Raum und Zeit geklärt oder zumindest gestellt werden muss. Die Kunstwissenschaft muss also Wesen des Raums und räumlicher Darstellung klären.

Am Beginn steht „die räumliche Vorstellung im allgemeinen und die Formvorstellung als die des begrenzten Raumes im besonderen“[2] als – im Wesentlichen – Realität, da Mensch sich auf diese Art und Weise in der Außenwelt orientiert.



[1] Cassirer, Ernst; S. 485

[2] Cassirer, Ernst; S. 486

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Donnerstag, 26. Juli 2007

Schmarsow, August (1894); "Das Wesen der architektonischen Schöpfung"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Der vorliegende Text – Schmarsows Leibziger Antrittsvorlesung von 1893 – ist ein disziplinäres Gründungsdokument, um Architektur aus den Niederungen einer reinen formalen Baudisziplin hin zu einer freien Kunstwissenschaft zu erheben. Schmarsow begründete dadurch eine neue Epoche der Architektur, die sich seit damals in die Riege der „Schönen Künste“ als ein tektonisches Kunsthandwerk einreihen lässt.

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Mittwoch, 25. Juli 2007

Hamedinger, Alexander (1997); "Raum, Struktur und Handlung als Kategorien der Entwicklungstheorie. Eine Auseinandersetzung mit Giddens, Foucault und Lefebvre"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Die folgende Auseinandersetzung mit des Autor’s Auseinandersetzung erfolgt relativ „häppchenweise“. Und erneut liegt der Grund ganz einfach in dem anders gelagerten Forschungsinteresse, der anders begründeten Herangehensweise, vermutlich differenten gesellschaftstheoretischen Grundüberlegungen und der Entstammung aus einer anderen wissenschaftlichen Disziplin. Alexander Hamedinger bietet in seinem angenehm zu lesenden Werk eine Art Begriffsarbeit im Rahmen der (ökonomischen) Entwicklungstheorie an. Er will einen Beitrag dazu leisten, ihren Zugang zu öffnen und sich der ständig transformierenden materiellen Ausformungen von Raum, Struktur und Handlung adäquat zu nähern.

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Samstag, 7. Juli 2007

Lüdeke, Roger (2006); Ästhetische Räume

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Ohne Umschweife beginnt Roger Lüdeke in seiner Einleitung zum Kapitel über ästhetische Räume auf Ernst Cassirer einzugehen, dessen Philosophie der symbolischen Formen die Anschauungsform des Räumlichen als ordnend für die menschliche Lebenswelt beschreibt. Raum ist bei ihm an die menschliche Wahrnehmung seines eigenen Körpers und der diesen umgebenden Wirklichkeit gebunden; diese Subjekt-bezogene Raumvorstellung verbindet sich in Cassirer’s ästhetischem Raummodell interessanterweise mit einem relationalen Konzept von Raum, welches diesen „als den ‚Ertrag und das Ergebnis eines Prozesses der symbolischen Formung’ denkt“[1].

 

Die Welt ist weder nur die Gesamtheit von Körpern im Raum, noch ein einziges Zeitgeschehen, sondern ein System von Ereignissen. Cassirer’s Verständnis von Raum stellt den Ordnungsbegriff also über den Seinsbegriff; damit wird Welt logischerweise einer Zeichenordnung nachgeordnet. Raum und Zeit sind dementsprechend Anschauungsformen; sie werden verwendet um menschliches Erleben zu ordnen, um Unbestimmtes zu bestimmen. Cassirer differenziert dabei zwischen mythischem und ästhetischem Raum, die jeweils unterschiedlich „vorstrukturierte Felder des Denkens, der Sprache und der sozialen Interaktion“[2] erzeugen. Während die räumlichen Formen der mythischen Realitätsvorstellung keinerlei Reflexion voraussetzen (da hier keine Differenzierung zwischen immanenter bzw. empirischer und transzendenter Sinnssphäre besteht), sind für ästhetischen Lebensraum – genauso wie für den kausal-rationalen Lebensraum – chrono-logische Reflexionsformen kennzeichnend.  „Gleichwohl geht das ästhetische Raumerleben nicht einfach in den Formen der rationalen Welterschließung auf.“[3]

 

Das Ästhetische also als Vermittlungsmedium zwischen dem Ich, dem gesetzten Anschauungsraum und den rationalen Formen der Welterschließung. „Die echte ‚Vorstellung’ ist immer zugleich Gegenüber-Stellung; sie geht aus vom Ich und entfaltet sich aus dessen bildenden Kräften, aber sie erkennt zugleich in dem Gebildeten ein eigenes Sein, ein eigenes Wesen und ein eigenes Gesetz – sie lässt es aus dem Ich ‚erstehen’, um es zugleich gemäß diesem Gesetz ‚bestehen’ zu lassen und es in diesem objektiven Bestand anzuschauen.“[4]

Die ästhetische Erfahrung reflektiert die möglichen Bedingungen mythischer und rationaler Raumkonstitution; Raumrepräsentation ist also Modus der menschlichen Wirklichkeitsbewältigung. Und in diesem Verständnis sind auch die anderen Texte des vorliegenden Kapitels geschrieben.



[1] Lüdeke, Roger; S. 449

[2] Lüdeke, Roger; S. 451

[3] Lüdeke, Roger; S. 452

[4] Cassirer, Ernst; Mystischer, ästhetischer und theoretischer Raum; in: Dünne, Jörg/Günzel, Stephan; S. 485 – 500; zitiert in: Lüdeke, Roger; S. 452

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Deleuze, Gilles/ Guattari, Félix (1980); "1440 – Das Glatte und das Gekerbte"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Schon in die Überschrift integrieren die zwei Autoren zwei zentrale Metaphern, auf deren (nicht nur) bildhafte Aussagekraft sie ihre im Folgenden dargelegten Überlegungen basieren; der glatte Raum ist jener der Nomaden, während der sesshafte Mensch durch seine Praktiken einen gekerbten Raum zur Betrachtung hinterlässt. Der glatte Raum ist Grundlage für die Entwicklung der Kriegsmaschinerie, während der Staatsapparat den gekerbten Raum schafft. Sie existieren allerdings beide nur aufgrund ständiger Vermischung; „der glatte Raum wird unaufhörlich in einen gekerbten Raum übertragen und überführt; der gekerbte Raum wird ständig umgekrempelt, in einen glatten Raum zurückverwandelt“[1]. Nichts desto trotz sind sie ganz klar theoretisch voneinander unterscheidbar.

Deleuze und Guattari gehen also diesen Differenzen, den Verwischungen, den Übergängen und Bewegungen dieser beiden Räume auf den Grund; zu diesem Zwecke betrachten sie verschiedene Modelle.



[1] Deleuze, Gilles/ Guattari, Félix; S. 434

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Arendt, Hannah (1960); "Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Die Schwierigkeit des Erfassens der Unterscheidung zwischen dem Politischen und dem Sozialen fällt – so argumentiert Arendt zu Beginn des vorliegenden Textes – mit dem Beginn der Neuzeit zusammen. Wurde ursprünglich relativ einfach der Bereich des Haushalts dem Privaten, und demgegenüber der Raum des Politischen dem Öffentlichen zugeordnet, so kam „das Aufkommen eines im eigentlichen Sinne gesellschaftlichen Raumes, [...] der seine politische Form im Nationalstaat gefunden hat“[1] neu hinzu.

Bei Arendt ist Gesellschaft ein Familienkollektiv, in seiner ökonomischen Form eine Art Über-Familie, politische organisiert in Form der Nation.



[1] Arendt, Hannah; S. 420

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Schmitt, Carl (1950); "Das Recht als Einheit von Ordnung und Ortung"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Auf die problematische Distinguiertheit Schmitts in Bezug auf seine enge Affinität zum Nationalsozialismus sowie seiner fatalistischen Nähe zum negativ konnotierten Begriff „Geopolitik“ wurde in einem anderen Artikel schon hingewiesen. Es wird nun versucht den vorliegenden Artikel soweit als möglich sachlich zu exzerpieren und wieder zu geben. Auch wenn es sich nicht vermeiden ließ (ganz bewusst nicht) die persönliche – diametral zum schmitt´schen Ansatz stehende – Einstellung des Verfassers der vorliegenden Zusammenfassung zu verbergen.

Schmitt beginnt seinen Text zur Raumbetrachtung mit einer Darstellung seiner Ausgangslage, auf der seine Überlegungen aufbauen. Für ihn ist die Erde – typisches rechtsgerichtetes Denken: mythisch als Mutter alles Seienden gedacht – in dreifacher Weise die Wurzel von Recht und Gerechtigkeit. Erstens birgt die Erde in ihrer Fruchtbarkeit ein inneres Maß, das über Wachstum und Ernte die Mühen seiner Besteller gerecht belohnt. Zweitens weist die Erde feste Linien auf, die Ausdruck der Bearbeitung des Bodens durch den Mensch darstellen. Drittens trägt die Erde menschliche Räumlichkeiten (Häuser, Grenzsteine, Bauwerke, usw.), die Ausdruck von Ordnung und Ortungen menschlichen Zusammenlebens offenbaren. Dadurch werden Strukturen der Gesellschaft öffentlich sichtbar gemacht.
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Mittwoch, 13. Juni 2007

Braudel, Fernand (1949); "Géohistoire und geographischer Determinismus"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Braudel beginnt seinen Text mit einer Skizzierung dessen, was Geohistoire bedeutet und in weiterer Folge welchem Anspruch seine Arbeit geschuldet ist. Braudel hat ein zweifaches Anliegen: Erstens geht es darum Geographie nicht nur als Humangeographie der gegenwärtigen Probleme zu begreifen, sondern auch gegenüber den historischen Entwicklungen und Erkenntnissen – gemeinhin der Zeit an sich – entsprechend Rechnung zu tragen. Zweitens geht es darum aus einer historischen Geographie die sich ausschließlich der Untersuchung von Staatsgrenzen und dessen administrativen Einheiten verschrieben hat, eine wirkliche retrospektive Humangeographie zu entwickeln, die auch die Erde und deren topologischen Eigenheiten (Klima, Boden, Lebewesen, gewerbliche Aktivitäten) nicht nur berücksichtigt, sondern auch in einen kausalen Zusammenhang bringen kann.

Für Braudel ist gerade das Mittelmeer ein sowohl zeitlich als auch materiell akkurates Forschungsbiotop, an dem solch ein zweifacher Anspruch verwirklicht werden kann.[1] „Ist es nicht ein Verbund halbautonomer Welten, eine Föderation lebenskräftiger, unverwechselbarer und doch stets miteinander vergleichbarer Mittelmeerräume? Die Erfahrungen folgen hier in geschwisterlich erlebter Eintracht miteinander.“[2]


[1] Für eine umfassende und doch kompakte Einführung in Braudel´s Arbeiten zum Mittelmeer vgl. Braudel, Fernand / Duby, Georges / Aymard, Maurice (2006): Die Welt des Mittelmeeres. Zur Geschichte und Geographie kultureller Lebensformen. Fischer Verlag: Frankfurt.

[2] Braudel, Fernand (1949): Géohistoire und geographischer Determinismus. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 397

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Montag, 11. Juni 2007

Ratzel, Friedrich (1894); "Über die geographische Lage"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Vorliegender Text bildete Ende des 19. Jahrhunderts die Grund- und Vorlage für Ratzel’s Politische Geographie[1]. Zu Beginn beschreibt er das Dasein von Generationen eines Volkes als Berg- und Talfahrt, als sich unaufhörlich wiederholendes Absteigen in ein und Aufsteigen aus einem Wellental, als stetig fließender Strom, dessen Kontinuität nur durch Klippen im Strombett gestört werden kann; so entstehen Veränderungen und Neuerungen für den Strom, aber nicht für das Strombett. An ein und derselben Stelle wird also immer derselbe Einfluss auf verschiedene Bewegungen ausgeübt.

Die geographische Lage ist also etwas Beständiges in der und für die Bewegung; sie gehört der Erdoberfläche an und entscheidet über Boden, Klima, Grenzen, Ausdehnung und Zahl des darauf stattfindenden Lebens.

 

Ratzel empfindet es als unausweichlich, jedem wichtigen Gegenstand seiner geographischen Lage zu zuweisen; sie ist das einzig Beständige im Verlauf der Geschichte. Dementsprechend „überlegen“ sind Völker in ihrem je angestammten Gebiet; „Der Anschluß an das von der Natur Gegebene hat sich [...] jeweils als das Beste gezeigt“[2], proklamiert Ratzel eine Beibehaltung territorialer Kontinuität. Allerdings denkt er diese Stabilität in einem wechselseitigen Austausch- und Inspirationsverhältnis mit benachbarten Gebieten; das „Wie?“ bestimmt auch hier die Lage.

Nichts desto trotz bedeutet die Lage nicht ein totes, starres Nebeneinander von Gebieten, sondern ein aneinander gegliedertes Verhältnis; es gibt keine absolute Isolation.



[1] Ratzel, Friedrich; Politische Geographie oder die Geographie der Staaten, des Verkehrs und des Krieges; München/Berlin: Oldenbourg ³1923

[2] Ratzel, Friedich; S. 387

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